Eine Rute lebt zwei Jahre — wer das versteht, macht keinen Fehler
Himbeeren im Garten
Die Himbeere ist pflegeleicht, aber sie ist eine ehrliche Pflanze: Sie zeigt Zufriedenheit und Unzufriedenheit gleichermaßen deutlich. Die Entscheidungen bei der Pflanzung bestimmen die nächsten zehn bis fünfzehn Jahre.
Der Zweijahresrhythmus
Das Wurzelwerk lebt viele Jahre, jede einzelne Rute genau zwei. Im ersten Jahr wächst sie als Primocane — sie sammelt Kraft, trägt aber nicht. Im zweiten wird dieselbe Rute zur Floricane: Sie blüht, trägt und stirbt danach ab, während längst neue Primocanes aus dem Boden brechen.
Standort und Boden — Staunässe ist der eigentliche Feind
Süd- bis Westexposition ist ideal, Halbschatten wird toleriert, aber der Ertrag leidet. Der Boden soll humusreich und locker sein, leicht sauer mit einem pH-Wert zwischen 5,5 und 6,5, und Wasser halten, ohne es zu stauen. Auf dauernd nassem Boden greift *Phytophthora rubi* an, ein pilzähnlicher Erreger, gegen den es keine Behandlung gibt; ein befallener Bestand muss gerodet und anderswo neu angelegt werden. Nicht dort pflanzen, wo zuvor Kartoffeln, Tomaten oder Erdbeeren standen — sie können *Verticillium* hinterlassen.
Pflanzung und Drahtgerüst
Gepflanzt wird im Herbst (Oktober bis November) oder im frühen Frühjahr (März bis April). Pflanzabstand 40 bis 50 Zentimeter in der Reihe, Reihenabstand mindestens 150, besser 200 Zentimeter. Das Drahtgerüst — drei Drähte auf etwa 60, 100 und 150 Zentimetern — sollte von Anfang an stehen. Nach der Pflanzung die Ruten auf 20 bis 30 Zentimeter kürzen. Kaufen Sie zertifiziertes, virusfreies Pflanzgut: Ein Ableger vom Nachbarn kann von Anfang an mit Viren infiziert sein, und sichtbar wird das erst nach Jahren.
Der Schnittkalender
Sommerhimbeere: Die abgetragenen Floricanes nach der Ernte im Juli oder August bodennah herausschneiden, die neuen Primocanes stehen lassen und im Februar auf etwa 150 bis 170 Zentimeter kürzen. Herbsthimbeere: im Winter alle Ruten bodennah abschneiden — die einfachste Methode für Einsteiger. Im März auf sechs bis acht kräftige Ruten je laufendem Meter ausdünnen.
Sechs Sorten, sechs Charaktere
**Tulameen** (Sommer, Kanada): groß, tief rot, aromatisch. **Glen Ample** (Sommer, Schottland): früh, sehr ertragreich, wenig Stacheln. **Autumn Bliss** (Herbst): kompakt, 80 bis 100 Zentimeter, robust. **Polka** (Herbst, Polen): spät reifend, ertragreich, bis in den Oktober. **Himbotop** (Schweiz): kälteresistent, für höhere Lagen. **Schönemann** (Deutschland): spät, saftig, mit einer feinen Säure.
Pflege und was im Bestand vorkommt
Wasser ist in Blüte und Fruchtreife entscheidend; gegossen wird bodennah. Eine Mulchschicht von fünf bis acht Zentimetern hält Feuchtigkeit und unterdrückt Unkraut; gedüngt wird im Frühjahr mit Kompost, kein Kalk. Bei Rutensterben (*Didymella applanata*) und Ruten-Brennflecken (*Elsinoë veneta*) befallene Ruten sofort entfernen und in den Restmüll geben. Gegen den Himbeerkäfer (*Byturus tomentosus*) hilft frühes, tägliches Ernten.
Konkrete Düngermengen, regionale Pflanztermine und die Verfügbarkeit einzelner Sorten nennt das Buch nicht — dazu berät eine Baumschule vor Ort besser als jede allgemeine Angabe.