Die folgenden Rezepte und Zubereitungen sind Lebensmittel, kein Heilmittel. Sie sind nicht dazu bestimmt, Krankheiten zu verhindern, zu behandeln oder zu heilen. Haltbarkeitsangaben sind Orientierungswerte — bei Schimmel, Gärgeruch, Gasbildung oder Verfärbung nicht mehr verwenden. Bei empfindlichem Magen, Medikamenteneinnahme oder bestehenden Erkrankungen die Verträglichkeit individuell prüfen.
Die Grundregel
Holunderbeeren werden immer erhitzt. Die Blüte wird nie mitgekocht, sondern nur gezogen.
Rohe Holunderbeeren enthalten cyanogene Glykoside, vor allem Sambunigrin, und Lektine. Schon wenige rohe Beeren können Übelkeit, Erbrechen oder Durchfall auslösen; Kinder reagieren empfindlicher als Erwachsene. Fünf bis zehn Minuten kräftiges Kochen bauen den größten Teil der cyanogenen Verbindungen ab und verbessern die enzymatische Abbaubarkeit der Lektine deutlich. Die Anthocyane überstehen das fast unbeschadet — bei bis zu zwanzig Minuten Erhitzen gehen weniger als zehn Prozent verloren. Bei der Blüte ist es umgekehrt: Ihr Aroma ist zu flüchtig für anhaltende Hitze. Topf vom Herd, Blüten hinein, Deckel drauf, warten.
Holunderblütensirup, Kaltansatz
20 Minuten Arbeit, 12 bis 24 Stunden Ansatz · aus 20 bis 25 Dolden mittlerer Größe
Zutaten
- 20 bis 25 Holunderdolden mittlerer Größe, frisch geerntet und ausgeschüttelt
- 1 Liter Wasser
- 800 g bis 1 kg Zucker (wer weniger süß möchte: 600 g sind die untere Grenze für gute Haltbarkeit)
- 2 unbehandelte Zitronen
Zubereitung
- Die Dolden kurz ausschütteln, nicht waschen. Grobe Stiele, Blätter und Zweige abschneiden; die Dolden kommen im Ganzen in den Ansatz.
- Wasser erhitzen, den Zucker einrühren, bis er vollständig gelöst ist. Die Lösung abkühlen lassen — sie muss nicht kalt sein, aber nicht mehr kochend heiß.
- Die Zitronen gründlich waschen, in Scheiben schneiden. Schale und Saft kommen beide in den Ansatz.
- Dolden, Zitronenscheiben und Zuckerlösung zusammengeben, gut umrühren, mit einem sauberen Tuch oder Deckel abdecken. Bei Raumtemperatur mindestens zwölf, besser vierundzwanzig Stunden ziehen lassen, einmal täglich umrühren.
- Durch ein feines Sieb oder ein Mulltuch in einen sauberen Topf abseihen, die Dolden dabei gut ausdrücken.
- Den Sirup auf mittlerer Hitze zum Kochen bringen und fünf bis zehn Minuten sanft köcheln lassen.
- Sofort heiß in sterilisierte Gläser oder Flaschen füllen, verschließen, umgekehrt auf ein Tuch stellen.
Verwendung: Ein bis zwei Esslöffel auf ein Glas stilles Wasser oder Sprudel.
Haltbarkeit: Ungeöffnet im Kühlschrank zwei bis drei Monate, geöffnet innerhalb von vier bis sechs Wochen verbrauchen.
Wenn der Ansatz anfängt zu schäumen oder säuerlich zu riechen, ist es Zeit, ihn zu verarbeiten. Variationen: zwei bis drei Scheiben Ingwer, ein Zweig Minze oder Zitronenmelisse, eine aufgeschlitzte Vanilleschote — jeweils gemeinsam mit den Dolden in den Ansatz.
Holunderblütentee
5 bis 10 Minuten · eine Tasse
Zutaten
- 2 bis 5 g getrocknete Holunderblüten (ein bis zwei gehäufte Teelöffel)
- 150 ml kochendes Wasser
Zubereitung
- Die Blüten mit kochendem Wasser übergießen.
- Die Kanne oder den Becher abdecken — ein Unterteller reicht — und fünf bis zehn Minuten ziehen lassen.
- Abseihen und warm oder heiß trinken.
Verwendung: Nach EU-Monographie drei Tassen täglich, für Erwachsene und Jugendliche über zwölf Jahren.
Hinweis: Als Dekokt: drei bis sechs Gramm Blüten kurz in 200 Milliliter Wasser aufkochen und einige Minuten köcheln lassen — intensiver im Geschmack, dunkler in der Farbe.
Eine einfache Wintermischung aus dem Buch: 60 Prozent Holunderblüten, 20 Prozent Lindenblüten, 20 Prozent Pfefferminze. Dosierung wie beim reinen Blütentee.
Holunderbeerensaft
45 Minuten plus Entstielen · die Grundlage für Sirup, Gelee und Punsch
Zutaten
- Entstielte, vollreife Holunderbeeren
- 1 bis 2 Tassen Wasser je Kilogramm Beeren
- Großer Topf aus Edelstahl (kein Aluminium — die Fruchtsäure reagiert)
- Sieb mit Mull- oder Passiertuch, sterilisierte Flaschen
Zubereitung
- Die entstielten Beeren mit dem Wasser in den Topf geben. Das Wasser soll nur verhindern, dass am Anfang etwas anbrennt.
- Zum Kochen bringen, dann zehn bis fünfzehn Minuten leise köcheln lassen. Gelegentlich umrühren und die Beeren mit einem Holzlöffel leicht andrücken.
- Durch ein mit Tuch ausgelegtes Sieb abseihen, zuerst frei ablaufen lassen, dann den Rückstand kräftig ausdrücken.
- Den Saft zurück in einen sauberen Topf geben und noch einmal kurz aufkochen.
- Sofort heiß in sterilisierte Flaschen füllen und verschließen.
Haltbarkeit: Ungesüßt im Kühlschrank etwa zwei bis drei Wochen; eingefroren viele Monate.
Ein Zweig Thymian oder ein daumengroßes Stück Ingwer, beim Kochen mitgegeben, holt zusätzliche Tiefe aus dem Saft. Notwendig ist es nicht.
Holunderbeerensirup
20 Minuten, ausgehend vom fertigen Saft
Zutaten
- 1 Liter Holunderbeerensaft
- 800 g bis 1 kg Zucker
- Nach Wunsch: 1 Zimtstange, 2 bis 3 Gewürznelken, ein Stück Ingwer
Zubereitung
- Saft und Zucker zusammen in den Topf geben, nach Wunsch die Gewürze dazu.
- Zum Kochen bringen und fünf bis zehn Minuten leise köcheln lassen, bis der Zucker vollständig gelöst ist und der Sirup etwas dickflüssiger wird. Dabei umrühren.
- Die Gewürze abseihen und den Sirup heiß in sterilisierte Flaschen oder Gläser füllen.
Haltbarkeit: Kühl und dunkel ungeöffnet mehrere Monate; geöffnet in den Kühlschrank und innerhalb von etwa vier bis sechs Wochen verbrauchen.
Weniger Zucker bedeutet kürzere Haltbarkeit. Und ein selbst gemachter Sirup ist nicht standardisiert — sein Anthocyangehalt schwankt je nach Ernte, Reife und Kochzeit. Das ist kein Mangel, das ist Natur.
Holunderbeer-Gelee
40 Minuten plus Abtropfzeit · etwa 4 bis 5 kleine Gläser
Zutaten
- 1 kg entstielte, vollreife Holunderbeeren
- 200 ml Wasser
- Saft von 1 Zitrone
- Gelierzucker 1:1, Menge nach erzielter Saftmenge — typisch 600 bis 800 ml Saft, also 600 bis 800 g Gelierzucker
Zubereitung
- Die Beeren mit dem Wasser aufkochen und bei mittlerer Hitze zehn bis fünfzehn Minuten köcheln, bis sie vollständig aufgeplatzt und weich sind.
- Durch ein Mulltuch oder ein feines Sieb abseihen. Nicht drücken — wer drückt, bekommt ein trübes Gelee. Notfalls über Nacht im Kühlschrank ablaufen lassen.
- Den gewonnenen Saft messen, Zitronensaft und Gelierzucker nach Packungsanweisung dazugeben.
- Aufkochen und die Gelierprobe machen: ein Tropfen auf einen kalten Teller — wird er fest, ist das Gelee fertig. Bei Bedarf ein bis zwei Minuten weiterkochen.
- Heiß in sterilisierte Gläser füllen, verschließen, umgekehrt abkühlen lassen.
Ein Zweig Thymian oder ein Blatt Rosmarin, beim letzten Aufkochen kurz mitgeschwenkt, gibt dem Gelee eine kräuterige Note — unerwartet gut zu Käse.
Holunderbeer-Chutney
40 Minuten · etwa 3 kleine Gläser
Zutaten
- 500 g entstielte, vollreife Holunderbeeren
- 1 mittelgroße rote Zwiebel, fein gewürfelt
- 150 ml Rotweinessig
- 100 g brauner Zucker
- 1 TL frisch geriebener Ingwer
- ½ TL Zimt, 2 Nelken, 1 Lorbeerblatt
- 1 Prise Chiliflocken nach Geschmack, Salz
Zubereitung
- Die Zwiebel in einem Topf mit einem Schuss Öl bei mittlerer Hitze etwa fünf Minuten glasig dünsten.
- Beeren, Essig, Zucker, Ingwer, Zimt, Nelken, Lorbeer und Chili dazugeben, gut umrühren und bei mittlerer Hitze zum Kochen bringen.
- Die Hitze reduzieren und bei leicht geöffnetem Deckel zwanzig bis fünfundzwanzig Minuten köcheln lassen, bis das Chutney eingedickt ist. Gelegentlich umrühren.
- Nelken und Lorbeerblatt entfernen, mit Salz abschmecken.
- Heiß in sterilisierte Schraubgläser füllen, verschließen, umgekehrt abkühlen lassen.
Verwendung: Zu reifem Hartkäse, gebratenem Geflügel oder Entenbrust, Würstchen vom Grill oder einfach gutem Brot mit Butter.
Haltbarkeit: Verschlossen und kühl mehrere Monate, nach dem Öffnen im Kühlschrank mehrere Wochen.
Holunderbeer-Kompott
20 Minuten · 2 bis 4 Portionen
Zutaten
- 300 g entstielte, vollreife Holunderbeeren
- 3 bis 4 EL Zucker nach Geschmack
- 100 ml Wasser oder Apfelsaft
- 1 kleine Zimtstange
- Saft von ½ Zitrone
- Optional: 1 Gewürznelke, etwas Vanille
Zubereitung
- Alle Zutaten in einen kleinen Topf geben und aufkochen.
- Bei mittlerer Hitze zehn bis fünfzehn Minuten köcheln lassen, bis die Beeren aufplatzen und ihre Farbe abgeben.
- Zimtstange und Nelke herausnehmen, abschmecken. Wer es glatt mag, püriert kurz und siebt die Kerne ab.
Verwendung: Warm über Porridge, kalt über Vanilleeis, zu Pfannkuchen oder einfach aus dem Glas.
Haltbarkeit: Im Kühlschrank fünf bis sieben Tage.
Variante mit Apfel: zwei geschälte, gewürfelte Äpfel kommen gemeinsam mit den Beeren in den Topf. Die Süße mildert die leichte Herbnote der Beere.
Holunder-Winterpunsch
10 Minuten · 2 große Tassen
Zutaten
- 400 ml Wasser
- 3 EL Holunderbeerensirup
- 1 EL Holunderblütensirup
- Saft von ½ Orange
- 1 Zimtstange, 2 Gewürznelken, 1 Scheibe frischer Ingwer
- Optional: ein Zweig frischer Thymian
Zubereitung
- Wasser mit Zimt, Nelken und Ingwer aufkochen und fünf Minuten ziehen lassen.
- Orangensaft, Beerensirup und Blütensirup einrühren.
- Nochmals kurz erwärmen, nicht mehr kochen, damit die Aromen erhalten bleiben.
Verwendung: Warm trinken, die Zimtstange als Rührer im Glas lassen. Ohne Alkohol.
Der Punsch vereint beide Seiten der Pflanze — den hellen Blütensirup des Frühsommers und den dunklen Beerensirup des Herbstes.