Zweig der Schwarzen Johannisbeere mit reifen, tiefschwarz glänzenden Beeren in hängenden Rispen, dahinter gezähntes Laub

Schwarze Johannisbeere · Ribes nigrum

Die Schwarze Johannisbeere entdecken

Erkennen · Schneiden · Ernten · Verarbeiten

Fast jeder Garten in Deutschland, Österreich und der Schweiz hat irgendwo einen Johannisbeerstrauch — oder hatte einen. Genau das ist das Problem: Wer eine Pflanze zu kennen glaubt, stellt keine Fragen mehr.

Dabei steckt in dieser unscheinbaren Beere drei- bis sechsmal mehr Vitamin C als in einer Zitrone, ein Anthocyangehalt an der Spitze der europäischen Früchte — und in den winzigen Kernen ein Öl mit einer Fettsäure, die sonst kaum in Lebensmitteln vorkommt. Auf dieser Seite steht, woran Sie den Strauch festmachen, wann geerntet wird und was sich daraus machen lässt.

Sechs Merkmale — und ein Geruch, der alles entscheidet

Die Schwarze Johannisbeere sicher erkennen

Eine Pflanze bestimmt man nie an einem einzigen Merkmal, sondern daran, dass mehrere zusammenpassen. Bei Ribes nigrum ist eines davon allerdings so eigenwillig, dass es allein schon weiterhilft: der Geruch der Blätter.

Der Geruch der Blätter

Ein Blatt zwischen den Fingern zerreiben — und der Duft ist nicht süß, nicht fruchtig, sondern harzig, würzig, ein wenig wild. Er kommt aus winzigen goldgelben Drüsen auf der Blattunterseite, die mit bloßem Auge kaum zu erkennen sind. In dieser Intensität findet sich das bei keiner anderen europäischen Beerenstaude.

Die Blätter

Drei- bis fünflappig, grob gezähnt wie eine kleine Säge. Oberseits mittelgrün und matt, unterseits heller — und dort sitzen die goldgelben Drüsen, die das ätherische Öl produzieren.

Die Beeren

Sie hängen in Rispen, jeweils fünf bis zehn Beeren an einer Traube. Erst grün und fest, dann rötlich, dann dunkelviolett, schließlich fast schwarz und glänzend. Am unteren Ende sitzt ein kleiner kelchartiger Rest der Blüte, der beim Pflücken manchmal mitkommt. Das Fruchtfleisch ist dunkelrot bis violett, die Samen sind klein und beim Essen kaum spürbar.

Die Blüten

Im April und Mai, noch bevor die Blätter vollständig entfaltet sind. Kleine grünlich-rötliche bis violette Glöckchen in lockeren Trauben, fünf bis fünfzehn Blüten je Traube. Spektakulär sind sie nicht — Bienen besuchen sie trotzdem zuverlässig, denn der Nektar ist reichhaltig.

Der Wuchs

Ein aufrechter, manchmal leicht ausladender Strauch von einem bis zwei Metern Höhe, je nach Sorte und Standort. Die Triebe sind im ersten Jahr hellbraun bis grünlich und glatt, im zweiten Jahr grauer und in der Rinde rauer. Keine Dornen — anders als bei der verwandten Stachelbeere.

Der Standort

In der Wildnis wächst Ribes nigrum in Auenwäldern entlang von Flussläufen, in Erlenbrüchen auf moorigen Böden, an feuchten Waldrändern. Humose, nährstoffreiche, gleichmäßig feuchte Böden, gern Halbschatten. In Mitteleuropa trifft man sie häufiger als Kulturrelikt — verwilderte Sträucher an alten Gartenrändern, in Hecken, nahe Dorfrändern.

Gezeichnete Bestimmungstafel: Zweig der Schwarzen Johannisbeere mit hängender Beerenrispe und drei- bis fünflappigem, grob gezähntem Blatt, daneben die Blattunterseite mit den goldgelben Drüsen und eine einzelne Beere im Schnitt
Zeichnung, keine Fotografie — die Merkmale sind bewusst hervorgehoben.

Wer nahe genug herangeht und ein Blatt zwischen den Fingern zerreibt, wird es sofort merken. Diese Drüsen verraten das erste Geheimnis von Ribes nigrum: Diese Pflanze ist mehr, als sie zeigt.

aus dem Buch, Kapitel 3

Zu Verwechslungspartnern macht der Band keine eigenen Angaben — die Schwarze Johannisbeere ist in Mitteleuropa fast immer eine Gartenpflanze, und der Blattgeruch trennt sie von ihren Verwandten. Wer dennoch unsicher ist, bestimmt mit mehreren Merkmalen und einem guten Bestimmungsbuch. Was Sie nicht sicher erkennen, bleibt stehen.

Fünf Zeitpunkte, auf die es ankommt

Das Johannisbeerjahr

Der Polyphenolgehalt der Schwarzen Johannisbeere ist keine feste Zahl. Er ist das Ergebnis eines ganzen Jahres — Kälte im Winter, Licht im Sommer, Triebalter, Erntezeitpunkt, Lagerung. Wer den Rhythmus kennt, trifft bessere Entscheidungen.

Austrieb
Blüte
Blatternte
Beerenernte
JFMAMJJASOND

Austrieb

März und April

Die Knospen schwellen. Der Strauch erwacht früher als manch andere Beerenstaude — schon ab etwa vier Grad Celsius beginnt das Wachstum.

Blüte

April und Mai

Unscheinbare grünlich-rote Glöckchen in kleinen Trauben, noch vor der vollen Belaubung. Bestäubt wird von Insekten.

Blatternte

Mai und früher Juni

Die beste Zeit für Blätter, die getrocknet werden sollen — gegen Ende der Blüte oder kurz danach, wenn die Drüsen am aktivsten sind.

Beerenernte

Anfang Juli bis Mitte August

Rund sechs Wochen Saison. Frühe Sorten sind manchmal schon Ende Juni so weit, späte reifen erst gegen Anfang August.

Schnitt

Nach der Ernte oder im zeitigen Frühjahr

Das alte Holz kommt heraus. Wer im Herbst schneidet, gibt den neuen Trieben das ganze folgende Frühjahr. Wer es versäumt, kann es bis zum Austrieb nachholen.

Woran erkennt man den richtigen Moment? Die Beeren sind reif, wenn sie tiefschwarz und glänzend sind — nicht dunkelrot, nicht violett. Die vollreife Beere löst sich leicht von der Traube, ist prall und weich, aber nicht matschig.

Warum die Rispe nicht gleichmäßig reift

Richtig ernten

Wer Schwarze Johannisbeeren pflückt, bemerkt es sofort: Innerhalb einer einzigen Rispe sind nicht alle Beeren gleich weit. Die Blüten öffnen sich von oben nach unten, und die Früchte reifen in derselben Reihenfolge — die Spitze hat einen Vorsprung von mehreren Tagen bis über eine Woche.

Das ist kein Defekt, sondern die Entwicklungslogik der Rispe. Für den Erntezeitpunkt hat es Folgen, denn die Anthocyankonzentration steigt nicht linear bis zur Vollreife: Sie hat ein Maximum, danach fällt sie wieder ab.

So geht die Ernte

  1. Warten, bis mindestens 90 Prozent der Beeren an einer Rispe schwarz und leicht nachgebend sind — nicht früher, nicht später.
  2. Für Marmelade oder Saft ganze Rispen auf einmal abnehmen; für den Frischverzehr mehrmals durchpflücken und nur die vollreifen Beeren nehmen.
  3. Beeren verlesen, faule und beschädigte aussortieren.
  4. Sofort verarbeiten oder noch am Tag der Ernte einfrieren — der Vitamin-C-Verlust beginnt gleich nach dem Pflücken.

Für den industriellen Anbau ist das ungleichmäßige Reifen ein echtes Qualitätsproblem: Die Maschine erntet alles gleichzeitig. Wer von Hand pflückt, hat hier einen Vorteil, den er nutzen sollte.

Zu spät ist so ungünstig wie zu früh

Zu früh gepflückt heißt: noch unreif, noch wenig Polyphenole. Zu spät gepflückt heißt: überreif, Polyphenole bereits im Abbau. Überreife Beeren, die länger als nötig hängen, enthalten wieder weniger Anthocyane als optimal reife. Das klingt pingelig — aber es macht in Messungen einen nachweisbaren Unterschied.

aus dem Buch, Kapitel 10

Und noch etwas drängt: Frisch geerntete Schwarze Johannisbeeren halten im Kühlschrank nur zwei bis drei Tage. Amseln und Stare wissen das ebenfalls — ein engmaschiges Beerenschutznetz, rechtzeitig vor der Reife angebracht, ist in manchen Gärten die einzige Lösung.

Johannisbeerstrauch in einer feuchten, halbschattigen Gartenecke, die Zweige unter der Last dunkler Beerenrispen

Sie wächst dort, wo Rosen und Tomaten aufgeben — in der feuchten Ecke.

Ein einziger Ratschlag entscheidet über die Ernte

Die Schwarze Johannisbeere im Garten

Die Schwarze Johannisbeere ist eine der dankbarsten Gartenpflanzen überhaupt. Sie verzeiht mehr als die meisten Beerensträucher. Aber es gibt einen Punkt, an dem die meisten scheitern — und er hat mit der Schere zu tun.

Der Schnitt entscheidet alles

Sie fruchtet überwiegend am einjährigen Holz: Die Triebe, die in diesem Jahr wachsen, tragen im nächsten die besten Früchte. Im zweiten und dritten Jahr lässt der Ertrag nach, ab dem vierten werden die Triebe unproduktiv. Das ist ein fundamentaler Unterschied zur Roten Johannisbeere, die am zwei- und dreijährigen Holz fruchtet.

Herausschneiden, nicht kürzen

Jedes Jahr nach der Ernte — oder spätestens im zeitigen Frühling vor dem Austrieb — die ältesten Triebe komplett bodennah entfernen. Nicht kürzen. Alte Triebe erkennt man an der dunklen, rissigen Rinde, junge sind heller, glatter, kräftiger. Faustregel: acht bis zwölf kräftige Haupttriebe, die meisten nicht älter als drei Jahre; jedes Jahr die zwei bis drei ältesten heraus. Das kostet zehn Minuten im Jahr und entscheidet über Jahre.

Standort — eine echte Abwägung

Sonnig bis halbschattig, beides funktioniert. Je mehr Sonne die Beere bekommt, desto mehr Anthocyane bildet sie, denn die Pflanze legt diese Pigmente als Schutzschild gegen UV-Strahlung an. Im Halbschatten wächst der Strauch genauso gut, manchmal üppiger, und trägt oft sogar zuverlässiger — nur eben etwas weniger dunkle Beeren. Wer die Wahl hat, sucht den sonnigsten Platz mit dem feuchtesten Boden.

Feuchtigkeit ja, Staunässe nein

Von allen Johannisbeeren verträgt die Schwarze die meiste Feuchtigkeit. Sie steht lieber etwas zu nass als zu trocken. Stehendes Wasser im Wurzelbereich über längere Zeit verträgt allerdings auch sie nicht. Der Boden sollte tiefgründig und humos sein, der pH-Wert leicht sauer bis neutral, etwa 5,5 bis 6,5.

Pflanzen im Herbst, fünf Zentimeter tiefer

Der beste Zeitpunkt ist Oktober oder November — dann bildet der Strauch über den Winter Wurzeln, bevor im Frühling der Austrieb beginnt. Beim Einsetzen etwa fünf Zentimeter tiefer setzen, als er im Topf stand: Das fördert neue Bodentriebe, und genau die sichern die Ernte der kommenden Jahre. Pflanzabstand anderthalb bis zwei Meter, zwischen Reihen zwei bis zweieinhalb.

Mulchen statt hacken

Die Schwarze Johannisbeere ist ein Flachwurzler — ihre Wurzeln liegen nah an der Oberfläche, und Hacken beschädigt sie. Rasenschnitt, gehäckselter Grünschnitt oder Kompost als Mulchschicht halten die Feuchtigkeit, unterdrücken Unkraut und liefern beim Verrotten Nährstoffe. Im Frühling zwei bis drei Handvoll reifer Kompost, das reicht für die Grundversorgung.

Vier bewährte Sorten

Titania ist außerordentlich robust und für Einsteiger die sicherste Wahl — ein einzelner Strauch kann bis zu fünf Kilogramm tragen. Ometa reift spät und ist die Saftsorte, aromatisch mit herb-holzigen Noten. Ben Lomond, eine schottische Züchtung, bewährt sich im kühleren Klima und in höheren Lagen. Silvergieters Schwarze reift früh und schmeckt mild und süß — ungewöhnlich für eine Schwarze Johannisbeere.

Zwei Sträucher, aber nicht wegen der Bestäubung

Die Schwarze Johannisbeere ist selbstfruchtend, sie braucht keinen Partner. Eine zweite Sorte erhöht den Ertrag trotzdem oft deutlich und verlängert durch unterschiedliche Reifezeiten die Ernteperiode. Wer wenig Platz hat, nimmt einen einzigen Strauch.

Was tatsächlich stört

Die Johannisbeergallmilbe ist der wichtigste Schädling: Sie befällt die Knospen im Winter und erzeugt auffällig geschwollene Rundknospen, die im Frühling nicht austreiben. Solche Knospen abpflücken und im Hausmüll entsorgen, nicht auf dem Kompost. Blattläuse regulieren sich meist durch Marienkäfer, Florfliegenlarven und Schwebfliegen. Gegen Mehltau und Blattfallkrankheit hilft vor allem der luftige Schnitt.

Winterhart ist der Strauch bis etwa minus dreißig Grad — in Mitteleuropa also kein Thema. Zu Düngermengen über die Kompostgabe hinaus, zu Vermehrung durch Stecklinge und zu einzelnen Regionalsorten macht das Buch keine Angaben; hier hilft die Beratung in einer Baumschule weiter.

Dunkler Johannisbeersaft in einer Flasche, daneben frische Beeren, getrocknete Blätter und ein kleines Fläschchen Samenöl

Eine Pflanze, drei völlig verschiedene chemische Profile.

Beere, Blatt und Samenöl sind nicht dasselbe

Drei Pflanzenteile, drei Welten

Wer denkt, er kenne die Schwarze Johannisbeere, weil er sie im Garten hat oder den Saft trinkt, kennt erst ein Drittel von ihr. Beere, Blatt und Samenöl tragen je ein eigenes chemisches Profil — keiner ist ein Duplikat des anderen.

Die Beere

Fruchtfleisch und Saft

Enthält
Anthocyane, Vitamin C, Pektin, Quercetin, Myricetin, Chlorogensäure, Kalium
Als Produkt
Frischbeere, Tiefkühlware, Direktsaft, Konfitüre, Sirup, Extrakte

Das Blatt

Laub, geerntet im Mai und frühen Juni

Enthält
Gerbstoffe (vor allem Catechingerbstoffe), Quercetin, Myricetin, Kaempferol, ätherisches Öl
Als Produkt
Teeaufguss, Umschläge — traditionell, ohne klinischen Beleg

Das Samenöl

Kerne, ein Nebenprodukt der Saftherstellung

Enthält
Linolsäure, Gamma-Linolensäure, Alpha-Linolensäure, Stearidonsäure
Als Produkt
kaltgepresstes Öl, Kapseln

Die Beere arbeitet über wasserlösliche Polyphenole und Vitamin C. Das Blatt über Gerbstoffe und Flavonoide, lokal auf Schleimhäuten. Das Öl über fettlösliche Fettsäuren. Drei Pflanzenteile, drei chemische Welten — und kein Produkt vereint sie in sinnvollen Mengen.

Frische Beere

Von Anfang Juli bis Mitte August die reichhaltigste Form, die es gibt: Anthocyane in natürlicher Zusammensetzung, Vitamin C in hoher Konzentration, Pektin als intakter Ballaststoff. Der Nachteil ist offensichtlich — die Saison dauert rund sechs Wochen, und der größte Teil der Ernte geht direkt in die Verarbeitung.

Tiefkühlbeere

Für die meisten Menschen die beste Option: das ganze Jahr verfügbar, bezahlbar und der frischen Beere in fast allen relevanten Punkten nah. Anthocyane überstehen das Einfrieren gut, das Pektin bleibt im Fruchtfleisch. Vitamin C ist etwas empfindlicher, die Verluste sind in den ersten Monaten aber gering. Für Säuglinge, Kleinkinder, ältere Menschen und bei geschwächter Abwehr wird Tiefkühlware aus dem Handel gut durcherhitzt, nicht roh gegessen.

Direktsaft

Auf der Flasche sollte „Direktsaft" oder „100 % Frucht" stehen — nicht Nektar (mit Wasser und oft Zucker versetzt), nicht Konzentrat (dessen Herstellung Hitze und Eindampfung einschließt). Was der Saft nicht liefert, ist das Pektin: Es bleibt beim Pressen im Trester zurück. Und ehrlich gesagt ist reiner Saft herb, fast adstringierend — verdünnt trinkt er sich besser.

Extrakte und Kapseln

„Standardisiert" heißt nur, dass der Hersteller für eine bestimmte Konzentration eines Markers einsteht — meist Anthocyane in Prozent. Es heißt nicht, dass es die Anthocyane der Schwarzen Johannisbeere sind: Süßkartoffel, Traubenhülsen und Holunder sind billigere Quellen, und das spezifische Delphinidin-Cyanidin-Profil steht selten auf der Verpackung. Hersteller, die unabhängig testen lassen und die Ergebnisse veröffentlichen, sind vertrauenswürdiger. Die Zeitfahrstudie von Cook et al. (2015) arbeitete mit einem solchen Extrakt, nicht mit frischen Beeren.

Samenöl

Kaltgepresst, mild-nussig, dezent harzig. Es ist durch seinen hohen Anteil mehrfach ungesättigter Fettsäuren oxidationsempfindlich: kühl, dunkel und gut verschlossen lagern und nach dem Öffnen innerhalb weniger Wochen aufbrauchen. Ranziges Öl riecht nicht nur schlecht, es enthält auch Abbauprodukte.

Was sich in der Küche damit machen lässt

Vier Wege — und einer ist deutlich besser als die anderen

Haltbar machen

Die Beere ist keine geduldige Frucht. Zwei, drei Tage im Kühlschrank, dann verliert sie Spannung, Farbe und Aroma. Was mit den Anthocyanen geschieht, hängt davon ab, wie man sich jetzt entscheidet — Temperatur, pH-Wert, Sauerstoff und Licht sind die vier Faktoren, die darüber bestimmen.

Einfrieren

Der beste Weg — für Vorrat, für Anthocyane, für alles

  1. Am Tag der Ernte verlesen: faule und beschädigte Beeren aussortieren.
  2. Kurz und gründlich waschen, kein langes Wässern, danach gründlich abtupfen — Eiskristalle um Wassertropfen beschädigen die Zellstruktur.
  3. In einer einzigen Schicht auf einem Blech oder Tablett ein bis zwei Stunden vorfrieren.
  4. In Beutel oder Dosen umfüllen. Die Beeren bleiben einzeln und lassen sich portionsweise entnehmen.

Haltbarkeit etwa zwölf Monate; danach nimmt vor allem der Vitamin-C-Gehalt spürbar ab, die Anthocyane sind stabiler

Später direkt gefroren weiterverarbeiten, nicht auftauen — beim Auftauen tritt Saft aus, und mit dem Saft gehen Anthocyane verloren.

Entsaften

Für Getränke — kalt gepresst deutlich besser als dampfentsaftet

  1. Kalt pressen oder durch ein Tuch beziehungsweise eine Fruchtmühle abpressen: Vitamin C ist hitzeempfindlich — je höher die Temperatur und je länger sie einwirkt, desto mehr geht verloren.
  2. Beim Dampfentsaften wirken 80 bis 90 Grad über längere Zeit — der Saft bleibt dunkel und anthocyanreich, verliert als Vitamin-C-Quelle aber deutlich.
  3. Heiß in Flaschen abfüllen, die zuvor zehn Minuten in kochendem Wasser ausgekocht wurden, und sofort verschließen.

Haltbarkeit ungeöffnet bis zu zwölf Monate, dunkel und kühl gelagert; geöffnet im Kühlschrank drei bis fünf Tage

Das Pektin bleibt beim Pressen im Trester. Wer es haben will, braucht die ganze Beere.

Konfitüre und Gelee

Für den Vorratsschrank — kurz kochen ist die ganze Kunst

  1. Gelierzucker 1:1 oder 2:1 wählen; zusätzliches Pektin ist nicht nötig, der Pektingehalt der Beeren ist hoch.
  2. Zitronensaft zugeben: Das saure Milieu hält die Anthocyane in ihrer stabilen, farbintensiven Form.
  3. Kurz und heiß kochen statt lang und mild — zehn Minuten sind für Anthocyane schonender als dreißig.
  4. Gläser zehn Minuten in kochendem Wasser auskochen, heiß befüllen, sofort verschließen.

Haltbarkeit zwölf Monate, kühl und dunkel gelagert

Licht baut Anthocyane selbst im verschlossenen Glas ab. Ein dunkler Keller ist kein Luxus.

Trocknen

Möglich, aber der größte Kompromiss

  1. Im Dörrautomaten bei 40 bis 50 Grad — durch die dichte Schale dauert das viele Stunden, je nach Beerengröße bis zu zwanzig.
  2. Gut abgetrocknet und luftdicht lagern.

Haltbarkeit lange lagerfähig — aber Anthocyanverlust höher als beim Einfrieren, teils deutlich; auch Vitamin C leidet

Getrocknete Beeren schmecken und liefern Ballaststoffe. Als Quelle für Anthocyane und Vitamin C stehen sie am Ende der Liste — hinter Frischbeere, Tiefkühlware und Saft.

Sechs Zubereitungen aus dem Buch

Rezepte

Die folgenden Rezepte und Zubereitungen sind Lebensmittel, kein Heilmittel. Sie sind nicht dazu bestimmt, Krankheiten zu verhindern, zu behandeln oder zu heilen. Haltbarkeitsangaben sind Orientierungswerte — bei Schimmel, Gärgeruch, Gasbildung oder Verfärbung nicht mehr verwenden. Bei empfindlichem Magen, Medikamenteneinnahme oder bestehenden Erkrankungen die Verträglichkeit individuell prüfen.

Die Grundregel

Kurz und heiß statt lang und mild. Sauer halten. Dunkel lagern.

Anthocyane sind thermolabil: Je länger der Topf brodelt, desto mehr geht verloren. In saurem Milieu dagegen nehmen sie ihre stabile, farbintensive Form an — deshalb der Zitronensaft in der Konfitüre und der Essig im Chutney. Sauerstoff greift sie oxidativ an, Licht beschleunigt den Abbau zusätzlich. Vier Faktoren, vier einfache Konsequenzen.

Der schwarze Morgen-Smoothie

2 Minuten · 1 Portion

Zutaten

  • 80 g gefrorene Schwarze Johannisbeeren
  • 50 g gefrorene Heidelbeeren oder Aronia
  • 1 reife Banane
  • 150 ml Haferdrink oder Mandelmilch
  • 1 TL Leinöl (optional)
  • 1 TL Zitronensaft (optional — stabilisiert die Anthocyanfarbe, und schmeckt)

Zubereitung

  1. Alle Zutaten in den Mixer geben, die Beeren direkt gefroren — kein Auftauen.
  2. Glatt mixen, bei Bedarf etwas mehr Flüssigkeit zugeben.
  3. Sofort trinken.
Warum gefroren? Der Mixer erwärmt das Getränk ohnehin durch Reibung. Wer die Beeren vorher auftaut, riskiert, dass Zellsaft austritt und Anthocyane oxidieren. Eine Einschränkung: Für Säuglinge, Kleinkinder, ältere Menschen und bei geschwächter Abwehr werden Tiefkühlbeeren aus dem Handel gut durcherhitzt (siehe „Wann Vorsicht geboten ist“); für sie kommen frische Beeren in den Mixer.

Konfitüre, kurz und heiß

20 Minuten · etwa 4 bis 5 Gläser à 200 ml

Zutaten

  • 500 g Schwarze Johannisbeeren (frisch oder gefroren)
  • 500 g Gelierzucker 1:1
  • Saft von 1 Zitrone (etwa 3 EL)

Zubereitung

  1. Gläser und Deckel zehn Minuten in kochendem Wasser auskochen und abtropfen lassen.
  2. Beeren, Gelierzucker und Zitronensaft in einen großen Topf geben, bei mittlerer Hitze unter Rühren auflösen, dann aufkochen.
  3. Bei voller, sprudelnder Hitze genau 5 bis 7 Minuten kochen. Nicht zwanzig, nicht dreißig.
  4. Gelierprobe: ein Teelöffel auf einen kalten Teller — zieht sie an und zerläuft nicht, ist sie fertig.
  5. Heiß einfüllen, sofort verschließen und kurz auf den Deckel stellen.
Haltbarkeit: Kühl und dunkel bis zu zwölf Monate.

Johannisbeer-Chutney

35 Minuten · etwa 3 bis 4 Gläser à 150 ml

Zutaten

  • 400 g Schwarze Johannisbeeren (frisch oder gefroren)
  • 2 rote Zwiebeln, fein gewürfelt
  • 100 ml Balsamico-Essig
  • 80 g brauner Zucker
  • 1 TL frisch geriebener Ingwer
  • 1 Zimtstange, 2 Nelken
  • 1 Prise Cayennepfeffer, Salz

Zubereitung

  1. Zwiebeln in etwas Öl glasig anschwitzen.
  2. Beeren, Essig, Zucker und alle Gewürze zugeben.
  3. Bei mittlerer Hitze ohne Deckel 20 bis 30 Minuten einkochen, bis das Chutney dickflüssig wird. Zwischendurch rühren.
  4. Zimtstange und Nelken herausnehmen, abschmecken, heiß in ausgekochte Gläser füllen (wie bei der Konfitüre).
Haltbarkeit: Im Kühlschrank 4 bis 6 Wochen.
Hinweis: Weniger süß? Zucker auf 50 g reduzieren und etwas mehr Essig zugeben — dann passt es zu kräftigem Blauschimmelkäse.

Wildsoße mit Schwarzer Johannisbeere

20 Minuten · Soßenbasis für 2 bis 3 Personen

Zutaten

  • 2 EL Bratrückstand aus der Pfanne (oder 1 EL Butterschmalz)
  • 1 Schalotte, fein gewürfelt
  • 100 ml trockener Rotwein
  • 100 ml Wildfond
  • 80 g Schwarze Johannisbeeren (frisch oder gefroren) oder 3 EL Direktsaft
  • 1 TL kalte Butter zum Montieren
  • Salz, frisch gemahlener Pfeffer; optional 1 TL Konfitüre

Zubereitung

  1. Schalotten im Bratrückstand glasig anschwitzen, mit Rotwein ablöschen, auf die Hälfte einreduzieren.
  2. Fond zugeben, wieder kurz einkochen.
  3. Beeren oder Saft zugeben und 5 Minuten sanft kochen, bis die Beeren etwas aufplatzen.
  4. Nach Geschmack durch ein feines Sieb passieren oder stückig lassen.
  5. Kurz vor dem Servieren mit kalter Butter montieren, abschmecken.
Das Geheimnis ist nicht Aufwand, sondern Timing: Die Beeren kommen ans Ende, nicht an den Anfang. Wer sie zu lange kocht, verliert das frische Aroma.

Schwarzes Sorbet

20 Minuten plus Gefrierzeit · 4 Portionen

Zutaten

  • 400 g Schwarze Johannisbeeren (frisch oder gefroren)
  • 80 bis 100 g feiner Zucker, je nach Säuregrad der Beeren
  • Saft von 1 Zitrone
  • 50 ml Wasser

Zubereitung

  1. Wasser und Zucker kurz zu einem dünnen Sirup aufkochen, abkühlen lassen.
  2. Beeren, Sirup und Zitronensaft fein pürieren.
  3. Für ein glattes Sorbet durch ein feines Sieb streichen, für ein rustikaleres direkt weiterverarbeiten.
  4. In einer flachen Dose einfrieren. Nach 45 Minuten mit einer Gabel durchkratzen — das bricht die Eiskristalle auf.
  5. Den Vorgang drei- bis viermal wiederholen, bis das Sorbet locker und schöpfbar ist.
Hinweis: Mit Eismaschine: Masse vorgekühlt einfüllen und nach Herstelleranweisung gefrieren — das Ergebnis wird geschmeidiger. Für Säuglinge, Kleinkinder, ältere Menschen und bei geschwächter Abwehr frische Beeren nehmen: Tiefkühlbeeren aus dem Handel werden für sie gut durcherhitzt.

Johannisbeer-Muffins

35 Minuten · 12 Stück

Zutaten

  • 250 g Mehl (Type 405 oder 550)
  • 150 g Zucker
  • 2 TL Backpulver, 1 Prise Salz
  • 2 Eier
  • 100 ml neutrales Öl (Raps oder Sonnenblume)
  • 150 ml Buttermilch oder Joghurt
  • 1 TL Vanilleextrakt
  • 200 g gefrorene Schwarze Johannisbeeren, direkt aus dem Tiefkühler
  • Optional: Abrieb einer halben Zitrone

Zubereitung

  1. Ofen auf 180 Grad vorheizen (Ober-/Unterhitze), Muffinform fetten oder mit Papierförmchen auslegen.
  2. Mehl, Zucker, Backpulver und Salz mischen. Eier, Öl, Buttermilch und Vanille getrennt verrühren.
  3. Feuchte Mischung zur trockenen geben und nur kurz verrühren — sichtbare Mehlnester sind richtig, Überrühren macht Muffins zäh.
  4. Gefrorene Beeren unterheben und sofort einfüllen, je etwa zwei Drittel voll.
  5. 20 bis 22 Minuten backen, Stäbchenprobe, auf einem Gitter abkühlen lassen.
Der Trick sind die gefrorenen Beeren: Die Kälte verlangsamt das Ausbluten während des Backens, der Teig bleibt heller und die Frucht am Ende erkennbar.

Zahlen, und was sie bedeuten

Was in der Beere steckt

Die Werte schwanken erheblich — je nach Sorte, Standort, Reifegrad, Erntejahr und Verarbeitung. Das ist keine Messungenauigkeit, sondern Ausdruck echter biochemischer Variabilität: Eine Beere aus einem heißen Juli am vierjährigen Holz ist eine andere Beere als eine aus einem kühlen Sommer am frisch gezogenen Jungtrieb. Die folgenden Spannen stammen aus der Fachliteratur, wie sie im Buch zusammengetragen ist.

Vitamin C150 bis 300 mg je 100 g

Eine Zitrone liegt bei etwa 50 bis 60 mg — die Schwarze Johannisbeere enthält also drei- bis sechsmal so viel. Eine Handvoll von 80 bis 100 Gramm liefert 120 bis 300 mg und deckt damit die Empfehlung der Deutschen Gesellschaft für Ernährung von 110 mg für Männer und 95 mg für Frauen. Vitamin C trägt zu einer normalen Kollagenbildung für eine normale Funktion der Blutgefäße bei und Vitamin C trägt zu einer normalen Funktion des Immunsystems bei.

Anthocyane250 bis 500 mg je 100 g

Ein Spitzenwert unter den europäischen Früchten. Vier Verbindungen dominieren: Delphinidin-3-rutinosid und Delphinidin-3-glucosid, dazu Cyanidin-3-rutinosid und Cyanidin-3-glucosid. Sie werden in Studien einzeln gemessen, weil sie im Darm unterschiedlich aufgenommen werden und in verschiedenen Mengen in verschiedenen Geweben landen.

Quercetin und Myricetinin nennenswerten Mengen

Zwei Flavonole — keine Farbpigmente, aber ausgeprägt antioxidativ. Myricetin kommt in der Schwarzen Johannisbeere in vergleichsweise hohen Konzentrationen vor, höher als in den meisten anderen heimischen Beeren. Was das für einen Menschen bedeutet, der eine Handvoll Beeren isst, lässt sich aus den vorliegenden Labordaten nicht direkt ableiten.

Chlorogensäurein Frucht und Blatt

Eine Hydroxyzimtsäure, die auch einer der Hauptpolyphenole im Kaffee ist. Die Verbindung zwischen Kaffee und Johannisbeere über denselben Stoff ist eines jener kleinen Details, die zeigen, wie vernetzt die Polyphenol-Welt ist.

Pektinhoher Gehalt in der ganzen Frucht

Der lösliche Ballaststoff, dank dem die Konfitüre ohne zugesetztes Pektin geliert. Er sitzt strukturell in der Zellwand und bleibt beim Pressen im Trester — in klaren, gefilterten Säften ist kaum noch etwas davon. Der von der EFSA zugelassene Claim zum Blutzuckeranstieg nach der Mahlzeit ist an eine Aufnahme von 10 Gramm Pektin je Mahlzeit gebunden.

Kaliumetwa 370 mg je 100 g

Der Mineralstoff, den die Beere in nennenswerter Menge mitbringt.

Vitamin Ketwa 11 µg je 100 g

Das ist keine hohe Menge: 100 Gramm Spinat liefern rund 480 Mikrogramm, Brokkoli etwa 100. Die Johannisbeere ist also keine Vitamin-K-Bombe. Für eine bestimmte Gruppe von Menschen ist die Angabe trotzdem wichtig — dazu steht alles im Abschnitt zur Vorsicht.

Gamma-Linolensäure im Samenöletwa 15 bis 17 % des Öls

Eine seltene Omega-6-Fettsäure, die in den meisten Pflanzenölen gar nicht vorkommt. Nachtkerzenöl, die bekannteste pflanzliche Quelle, liegt bei 8 bis 9 Prozent. Dazu kommen Linolsäure (etwa 44 bis 48 %), Alpha-Linolensäure (12 bis 16 %) und Stearidonsäure (3 bis 4 %). Beim Essen frischer Beeren nimmt man davon nichts auf — die Samen passieren meist unverdaut.

Und was die Forschung nicht hergibt

Für die Beere der Schwarzen Johannisbeere und Beerenextrakte liegt keine pflanzliche Unionsmonographie der Europäischen Arzneimittel-Agentur vor, und für die Pflanze selbst ist kein eigenständiger pflanzenstoffbezogener Health Claim zugelassen. Für die Blätter gibt es eine solche Monographie (Ribis nigri folium): Die Agentur führt sie als traditionelles pflanzliches Arzneimittel — für leichte Gelenkbeschwerden und zur Durchspülung der Harnwege bei leichten Beschwerden, nur für Erwachsene —, gestützt auf die lange Anwendung, nicht auf klinische Studien. Den beantragten Anthocyan-Claim zur Dunkeladaptation bewertete die EFSA 2011 als nicht ausreichend belegt. Für die Blätter fehlen gut kontrollierte klinische Studien am Menschen fast vollständig; was es gibt, sind Laborexperimente, einzelne Tierversuche und lange Anwendungserfahrung. Und für die Schwarze Johannisbeere gibt es keine Humanstudie zum Darmmikrobiom — was dazu vorliegt, stammt aus Zellkultur und Tiermodell.

Im Buch steht dazu: „Das bedeutet nicht, dass das Blatt wirkungslos ist. Es bedeutet, dass wir es noch nicht wissen."

Wo aus einem Lebensmittel eine Frage wird

Wann Vorsicht geboten ist

Die wichtigste Nachricht zuerst: Als Lebensmittel ist die Schwarze Johannisbeere sicher. Menschen essen sie seit Jahrhunderten in ganz Europa, und es gibt keine dokumentierten Fälle, in denen der normale Verzehr zu ernsthaften gesundheitlichen Problemen geführt hätte. Das gilt für Kinder, für ältere Menschen und in normalen Mengen auch für Schwangere. Eine Ausnahme betrifft Tiefkühlbeeren aus dem Handel — dazu unten mehr.

Die Fragen dieses Abschnitts betreffen andere Situationen: größere Mengen, konzentrierte Extrakte, bestimmte Medikamente, besondere Lebensphasen.

Warfarin und Phenprocoumon — zwei Wirkstoffe, nicht zwei Namen

Der international bekannteste Vitamin-K-Antagonist ist Warfarin; im deutschsprachigen Raum wird häufiger Phenprocoumon verordnet, das viele unter dem Handelsnamen Marcumar kennen. Es sind zwei verschiedene Wirkstoffe, keine zwei Namen für denselben — aber sie wirken nach demselben Prinzip, und für die Ernährung gilt bei beiden dasselbe.

Nicht die Menge an Vitamin K ist das Problem, sondern die Schwankung. Wer täglich ungefähr gleich viel Vitamin K aufnimmt, hat einen stabilen INR-Wert. Wer an einem Tag viel Grünkohl isst und am nächsten gar kein Gemüse, erzeugt Schwankungen. Für die Johannisbeere heißt das nicht „Finger weg", sondern Konstanz: nicht plötzlich große Mengen anfangen und ebenso wenig plötzlich aufhören. Wer unsicher ist, spricht mit der Arztpraxis oder Apotheke — der INR-Wert lässt sich leicht kontrollieren.

Das Samenöl und die Gerinnung

Fettsäuren können die Blutgerinnung beeinflussen. Das ist kein spezifisches Problem des Johannisbeeren-Samenöls, es gilt für viele Öle mit hohem Anteil ungesättigter Fettsäuren, und der Mechanismus ist präklinisch beschrieben — in Laboruntersuchungen und Zellkulturen. Ob er bei den üblichen ein bis zwei Teelöffeln am Tag klinisch bedeutsam wird, ist nicht gesichert. Wer Antikoagulanzien einnimmt und größere Mengen verwenden möchte, bespricht das mit der Arztpraxis.

Schwangerschaft und Stillzeit

Die Beere als Lebensmittel ist unproblematisch — Beeren essen, Saft trinken, Konfitüre verwenden, wie bei jedem anderen Obst. Anders bei Extrakten und Kapseln: Für sie existiert keine EMA-Monographie und damit keine regulatorische Sicherheitsbewertung für die Schwangerschaft, es gibt keine klinischen Studien an Schwangeren und keine belastbaren Tierversuchsdaten. Das heißt nicht, dass Extrakte gefährlich sind. Es heißt, dass wir es nicht wissen. Dasselbe gilt für konzentriertes Samenöl und für die Stillzeit.

Kinder

Frische Beeren, Saft, Konfitüre — alles unproblematisch und schon immer üblich. Was Kinder nicht brauchen, sind hochdosierte Extrakte oder Kapseln. Das ist kein Vorbehalt gegen diese Pflanze, sondern eine Grundregel der Nahrungsergänzung bei Kindern: Ihr Stoffwechsel arbeitet anders, ihre Leber verarbeitet Substanzen anders. Wer ein Präparat erwägt, fragt vorher den Kinderarzt.

Tiefkühlbeeren aus dem Handel

Beeren werden roh eingefroren, und Viren wie das Norovirus oder das Hepatitis-A-Virus überstehen das Gefrieren; Krankheitsausbrüche ließen sich in der Vergangenheit auf tiefgekühlte Beeren zurückführen. Das Bundesinstitut für Risikobewertung rät deshalb, Tiefkühlbeeren für Säuglinge und Kleinkinder, ältere Menschen und Menschen mit geschwächter Abwehr vor dem Essen gut durchzuerhitzen, auf über 90 Grad. Für sie kommen Tiefkühlbeeren gekocht auf den Tisch — als Kompott, in der Soße oder im Kuchen; roh gibt es für sie frische Beeren.

Blättertee — gelegentlich, nicht dauerhaft

Ein bis zwei gestrichene Teelöffel getrockneter Blätter auf 250 ml Wasser, acht bis zehn Minuten ziehen lassen, zwei bis drei Tassen täglich — aber nur für begrenzte Zeit, nicht dauerhaft: Hohe Gerbstoffmengen über lange Zeiträume können die Magenschleimhaut reizen, und eine tägliche Anwendung über Wochen ist durch Sicherheitsdaten nicht gedeckt. Die Europäische Arzneimittel-Agentur führt das Blatt als traditionelles pflanzliches Arzneimittel ausdrücklich nur für Erwachsene. Wer Eisenpräparate einnimmt, hält zwei Stunden Abstand — Gerbstoffe hemmen die Eisenaufnahme.

Allergien

Außerordentlich selten. In der allergologischen Fachliteratur finden sich kaum Fallberichte, Kontaktallergien sind nicht dokumentiert. Wer auf andere Beeren empfindlich reagiert, sollte beim ersten Kontakt aufmerksam sein — nicht panisch, aufmerksam. Vor der ersten äußerlichen Anwendung, ob Samenöl auf der Haut oder ein Umschlag aus dem Blätteraufguss, gilt wie immer: erst an einer kleinen Stelle probieren. Umschläge gehören nie auf offene Wunden.

„Pflanzliches Cortison" ist Marketingsprache

Für die Behauptung, Knospenmazerate der Schwarzen Johannisbeere wirkten wie Cortison, gibt es keine robuste klinische Evidenz — keine randomisierte, kontrollierte Studie am Menschen, die einen Vorteil gegenüber Placebo zeigt. Das ist nicht dasselbe wie zu sagen, es wirke nicht. Aber wer solche Präparate verwendet, sollte sie nicht als Ersatz für ärztlich verordnete Medikamente einsetzen.

Diese Hinweise ersetzen keine medizinische Beratung. Bei Unsicherheiten, bestehenden Erkrankungen oder Medikamenteneinnahme wenden Sie sich bitte an einen Arzt oder Apotheker. Die Faustregel des Buches: Lebensmittelmengen sind fast nie ein Problem. Bei Extrakten in höherer Dosis: Arzt fragen. Das kostet zwei Minuten.

Häufige Fragen

Woran erkennt man die Schwarze Johannisbeere?

Am sichersten am Geruch: Ein Blatt zwischen den Fingern zerrieben, riecht harzig, würzig und ein wenig wild — das kommt von den goldgelben Drüsen auf der Blattunterseite. Dazu kommen drei- bis fünflappige, grob gezähnte Blätter, ein aufrechter Strauch von einem bis zwei Metern und Beeren, die in Rispen hängen und vollreif tiefschwarz glänzen.

Wann sind Schwarze Johannisbeeren reif?

Zwischen Anfang Juli und Mitte August, je nach Sorte und Region — rund sechs Wochen Saison. Reif sind die Beeren, wenn sie tiefschwarz und glänzend sind, sich leicht von der Traube lösen und prall, aber nicht matschig sind. Innerhalb einer Rispe reifen sie ungleichmäßig: Die obersten sind zuerst so weit.

Warum trägt mein Strauch immer weniger?

Fast immer, weil er nicht geschnitten wird. Die Schwarze Johannisbeere fruchtet überwiegend am einjährigen Holz; ab dem vierten Jahr werden die Triebe unproduktiv. Ein Strauch, der nie geschnitten wird, vergreist — innen dicht, Triebe dünn, Beeren kleiner. Jedes Jahr die zwei bis drei ältesten Triebe bodennah herausschneiden, und das Problem ist gelöst.

Braucht die Schwarze Johannisbeere einen zweiten Strauch?

Nein, sie ist selbstfruchtend. Eine zweite Sorte erhöht den Ertrag trotzdem oft deutlich und verlängert durch unterschiedliche Reifezeiten die Ernteperiode. Wer wenig Platz hat, kommt mit einem Strauch aus.

Verliert die Beere beim Einfrieren ihren Wert?

Kaum. In Vergleichen zwischen frischen und tiefgefrorenen Beeren zeigen sich keine bedeutsamen Unterschiede im Anthocyangehalt — vorausgesetzt, das Einfrieren geschieht schnell und ohne Auftau-Wiedereinfrier-Zyklen. Auch das Pektin bleibt erhalten. Etwas empfindlicher ist Vitamin C, aber die Verluste sind in den ersten Monaten gering. Tiefkühlware ist für die meisten Menschen die praktischste Form. Für Säuglinge, Kleinkinder, ältere Menschen und bei geschwächter Abwehr wird Tiefkühlware aus dem Handel allerdings gut durcherhitzt.

Wie viel Vitamin C steckt wirklich drin?

150 bis 300 Milligramm je 100 Gramm, je nach Sorte, Standort und Reife. Eine Zitrone liegt bei etwa 50 bis 60 Milligramm — also drei- bis sechsmal weniger. Eine Handvoll von 80 bis 100 Gramm liefert 120 bis 300 Milligramm.

Ist Saft dasselbe wie die ganze Beere?

Nicht ganz. Der Saft liefert die Anthocyane konzentriert und trinkbar, aber das Pektin bleibt beim Pressen im Trester zurück. Trübe Säfte und Pürees enthalten mehr davon als gefilterter Klarsaft, kommen aber nicht an die ganze Frucht heran. Auf der Flasche sollte „Direktsaft" oder „100 % Frucht" stehen — nicht Nektar, nicht gezuckertes Konzentrat.

Machen Schwarze Johannisbeeren im Sport einen Unterschied?

Eine doppelblinde, kontrollierte Studie der University of Chichester aus dem Jahr 2015 (Cook et al.) ließ vierzehn trainierte Männer ein Zeitfahren über 16,1 Kilometer absolvieren, einmal nach der Einnahme eines Cassis-Extrakts, einmal nach Placebo. Mit dem Extrakt waren sie im Schnitt 2,4 Prozent schneller — rund vierzig Sekunden. Das Buch sagt dazu ausdrücklich: Es ist wenig. Im Alltag merkt das niemand; im Zeitfahren entscheiden vierzig Sekunden über mehrere Plätze. Vierzehn Probanden, nur Männer, ein einziger Test und ein konzentrierter Extrakt statt frischer Beeren — die Studie erlaubt keine allgemeinen Aussagen, und ob Frauen, Ältere oder Untrainierte ähnlich reagieren, ist unbekannt.

Kann man die Blätter verwenden?

Traditionell ja — im Mai und frühen Juni geerntet, schonend bei unter 40 Grad getrocknet, dunkel gelagert ein bis zwei Jahre haltbar. Sie enthalten Gerbstoffe, Quercetin, Myricetin, Kaempferol und ätherisches Öl, also ein anderes Profil als die Frucht. Gut kontrollierte klinische Studien am Menschen fehlen aber fast vollständig. Die Europäische Arzneimittel-Agentur führt das Blatt als traditionelles pflanzliches Arzneimittel, nur für Erwachsene — gestützt auf die lange Anwendung, nicht auf klinische Studien. Wer den Tee trinkt, tut das auf Basis von Plausibilität und langer Tradition, und zwar nur für begrenzte Zeit, nicht dauerhaft.

Was ist das Samenöl, und wofür ist es gut?

Es wird aus den Kernen gepresst, die bei der Saftherstellung übrig bleiben, und enthält mit 15 bis 17 Prozent Gamma-Linolensäure eine Fettsäure, die in den meisten Pflanzenölen gar nicht vorkommt. Es ist eine eigene Kategorie, kein Fruchtprodukt: Anthocyane, Vitamin C und Pektin liefert es nicht. Üblich sind ein bis zwei Teelöffel täglich; wer Gerinnungshemmer einnimmt und größere Mengen erwägt, spricht vorher mit der Arztpraxis.

Heilpflanzen neu entdeckt · Band 10

Das Buch zur Pflanze

Cover: Schwarze Johannisbeere von Clara Linden

Diese Seite ist ein Ausschnitt. Wer tiefer einsteigen möchte, findet im Buch auf 21 Kapiteln die ganze Pflanze — von der Botanik über die Inhaltsstoffe und die Forschungslage bis zu Garten, Küche und Rezepten.

  • Die Pflanze im Porträt, ihre Geschichte und der Weg zum Cassis
  • Inhaltsstoffe verständlich erklärt — Anthocyane, Vitamin C, Pektin, Samenöl
  • Was die Forschung sagt: Augen, Gefäße, Blutzucker, Sport, Darm — und wo die Grenzen liegen
  • Die vergessene Blattdroge: Tradition, Chemie und eine ehrliche Studienbilanz
  • Beere, Saft, Extrakt oder Öl: welche Form für wen
  • Wann Vorsicht geboten ist
  • Anbau, Schnitt, Sorten, Ernte — und acht Rezepte vom Smoothie bis zur Wildsoße

Ruhig, verständlich und ohne Heilsversprechen geschrieben — von einer Autorin, die ihre eigene Pflanze auch dort klein redet, wo es nötig ist.

Quellen und Fachliteratur

Die Angaben dieser Seite stammen aus Band 10 der Reihe „Heilpflanzen neu entdeckt". Das vollständige Quellenverzeichnis steht im Buch; hier die zentralen Arbeiten.

  • Gopalan, A.; Reuben, S. C.; Ahmed, S.; Darvesh, A. S.; Hohmann, J.; Bishayee, A. (2012): The Health Benefits of Blackcurrants. Food & Function 3(8): 795–809.
  • Cook, M. D.; Myers, S. D.; Blacker, S. D.; Willems, M. E. T. (2015): New Zealand Blackcurrant Extract Improves Cycling Performance and Fat Oxidation in Cyclists. European Journal of Applied Physiology 115(11): 2357–2365.
  • Lappi, J.; Raninen, K.; Väkeväinen, K.; Kårlund, A.; Törrönen, R.; Kolehmainen, M. (2021): Blackcurrant (Ribes nigrum) Lowers Sugar-Induced Postprandial Glycaemia Independently and in a Product with Fermented Quinoa. British Journal of Nutrition 126(5): 708–717.
  • Matsumoto, H.; Nakamura, Y.; Tachibanaki, S.; Kawamura, S.; Hirayama, M. (2003): Stimulatory Effect of Cyanidin 3-Glycosides on the Regeneration of Rhodopsin. Journal of Agricultural and Food Chemistry 51(12): 3560–3563.
  • Ohguro, H.; Ohguro, I.; Katai, M.; Tanaka, S. (2012): Two-Year Randomized, Placebo-Controlled Study of Black Currant Anthocyanins on Visual Field in Glaucoma. Ophthalmologica 228(1): 26–35.
  • Edirisinghe, I.; Banaszewski, K.; Cappozzo, J.; McCarthy, D.; Burton-Freeman, B. M. (2011): Effect of Black Currant Anthocyanins on the Activation of Endothelial Nitric Oxide Synthase (eNOS) in Vitro in Human Endothelial Cells. Journal of Agricultural and Food Chemistry 59(16): 8616–8624.
  • Fotirić Akšić, M. et al. (2022): Does Shoot Age Influence Biological and Chemical Properties in Black Currant (Ribes nigrum L.) Cultivars? Plants 11(7): 866.
  • EFSA (2010): Scientific Opinion on the Substantiation of Health Claims Related to Pectins (ID 786, 818, 4692). EFSA Journal 8(10): 1747 — der Claim zum Blutzucker nach der Mahlzeit ist zugelassen, Bedingung sind 10 g Pektin je Mahlzeit (VO (EU) Nr. 432/2012).
  • EFSA (2011): Scientific Opinion on the Substantiation of Health Claims Related to Anthocyanins from Ribes nigrum L. and Improvement of Visual Adaptation to the Dark (ID 2750). EFSA Journal 9(4): 2204 — als nicht ausreichend belegt bewertet.
  • Europäische Kommission: EU-Register zu nährwert- und gesundheitsbezogenen Angaben — für Vitamin C bestehen zugelassene Angaben; für Frucht oder Extrakt der Schwarzen Johannisbeere besteht kein eigenständiger pflanzenstoffbezogener Claim.
  • Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA) / HMPC: Für die Beere der Schwarzen Johannisbeere und Beerenextrakte liegt keine pflanzliche Unionsmonographie vor. Für die Blätter: European Union herbal monograph on Ribes nigrum L., folium (Revision 1, 2017) — traditionelle Anwendung bei leichten Gelenkbeschwerden und zur Durchspülung der Harnwege bei leichten Beschwerden, nur für Erwachsene.
  • Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR): Tiefkühlbeeren vor dem Verzehr besser gut durchkochen. Presseinformation 05/2013, 13.03.2013 — für empfindliche Gruppen Erhitzen auf über 90 °C.
  • Souci, S. W.; Fachmann, W.; Kraut, H.: Die Zusammensetzung der Lebensmittel — Nährwert-Tabellen; U.S. Department of Agriculture: FoodData Central — Grundlage der Nährwertangaben (Vitamin C, Vitamin K, Kalium).
  • Royal Botanic Gardens, Kew — Plants of the World Online: Ribes nigrum L.